Weil in dem Was hört ihr gerade? Thread so viele Stücke gepostet werden, denke ich kommt man kaum dazu sich die mal alle anzuhören.
Darum habe ich diesen Thread hier eröffnet. Ich dachte, dass man hier seine Lieblingsstücke und besonderen Schätze zusammen mit etwas erklärender Prosa (oder auch gerne Lyrik), was es mit dem Stück auf sich hat, warum es eines der Lieblingsstücke ist oder auch welche Geschichte dahinter steht, posten kann.
Wäre nett, wenn sich jeder auf so maximal ein Stück pro Tag beschränken würde, damit jemand, den das interessiert sich wirklich immer alle Stücke anhören kann.
Ich würde gerne als erstes das Klavierwerk Gaspard de la nuit von Maurice Ravel vorstellen. Es ist inspiriert von einer Dichtung von Aloysius Bertrand inspiriert und ist der Epoche des Impressionismus zuzuordnen.
Aufgeteilt ist es in drei Sätze:
Satz 1: Ondine
Ondine ist eine Wassernixe, die den Hörer durch verlockenden Gesang hinab in ihr Reich in den Tiefen locken will. Die Musik gibt das Schillern des Wassers wieder und schmeichelt zunächst mit sanften, bezaubernden Harmonien, doch im Verlauf des Stückes wird immer mehr die Bedrohlichkeit der Situation deutlich, doch das volle Bewusstsein für die Gefahr wärt nur kurz und nachdem das Opfer hinabgezogen wurde, legen sich die Wellen bald wieder und das Wasser glitzert wieder in der Sonne.
Musikalisch interessant ist der für den Impressionismus typische Fluss in der Komposition, die stetige Veränderung, die dem ganzen etwas sehr Organisches verleiht.
Satz 2: Le Gibet
Das nächste Bild ist ein Gehängter in der Abendsonne. In der Ferne schlägt die Glocke einer Kirche. Die Grundstimmung dieses Satzes des Werkes ist durch die Ruhe des Abends geprägt, trägt jedoch diese Ahnung der Vergänglichkeit, die der Bertrachter bei diesem Anblick verspüren mag, in sich.
Nicht ganz ohne Schwierigkeit ist wohl das gleichmäßige Halten des Glockenostinatos, das sich gleichmäßig durch das Stück zieht.
Satz 3: Scarbo
Scarbo ist ein kleiner Wichtel oder ein Kobold, der Angst in das Herz des im Dunkel der Nacht einsamen Zuhörers sähen will. Dieser ist sich wohl ganz offenbar stets unsicher,ob das eben gehörte Geräusch natürlichen Urpsungs war oder Vorbote einer Gefahr, ob das eben Gesehene nur das Schemen eines Schattens war oder ein boshaftes Wesen. Die Angst baut sich im Verlauf des Stückes weiter und weiter auf und auch wenn es die ein oder andere Entspannung gibt, verstärkt sich die Angst mehr und mehr, bis das Unwesen offenbar pötzlich in die Weiten der Nacht verschwindet, als wäre nichts gewesen.
Mit den heftigen Repitition, den vertrakten Läufen, seinen Rythmen und der Tatsache, dass er trotz seiner technischen Ansprüche von seinem Ausdruck und nicht der Virtuosität lebt, machte ihn bei seinem Erscheinen zum ansprcuhsvollsten Stück seiner Zeit.
Ich habe die Interpretation von Argerich gewählt, da man ihrem Spiel technische Schwierigkeiten nicht anhört, es die nötige Leichtigkeit hat und sie es sehr
ausdrucksstark spielt, was diese Aufnahme trotz ihrer teilweise mäßigen Audioqualität zu meinem Favoriten macht.
Ich freue mich auf eure Stücke und hoffe, dass vielleicht jemandem dieses Stück vielleicht ebenso gut gefällt, wie mir!


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