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Alt 14.01.2010, 20:48
Benutzerbild von Kelly
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Hallo Ihr Lieben

Ich habe meiner Tochter und deren Freundinen als sie klein waren, sehr viele Märchen vorgelesen.
Auch ich und mein Bruder sind mit Märchen aufgewachsen.
Habe da niiiie einen Gedanken daran verschwendet, das Märchen eine Botschaft haben sollen.

Ich hatte vor langer Zeit mal einige Gespräche mit verschiedenen Mamas über Märchenerzählungen und seitdem lässt mich dieses Thema irgendwie nicht mehr los.
Vielleicht löst es sich ja aus meinen Gedanken, wenn ich es euch mitteile.


Es handelt sich um die 10 kleinen Negerlein.
Kennt Ihr diese Geschichte?
Auf jeder Seite geht ein kleines Negerlein verloren, bis zum Schluß nur noch eines übrig bleibt.

Alles gut und schön, werdet Ihr jetzt sagen.
Was soll daran beängtigend sein?

Tja ... ich finde es irgendwie schon.
Es werden da kleine "Negerlein" verletzt, fallen zu einem Hai ins Wasser, werden eingesperrt usw....,
stellt euch mal vor, diese Geschichte wäre mit "weißen" Kindern geschrieben worden!?
Nicht auszudenken, was das für ein Aufsehen erregt hätte.
Da diese Geschichte ja schon ziemlich alt ist, waren ja die Ansichten der Menschen dort noch eingeschränkter als jetzt.
Ich finde diese Geschichte sehr rasistisch!


Als ich mir dann alle Märchen mal so durch den Kopf gehen ließ, fiel mir auf, dass fast alle Märchen Gut & Böse vertreten.
Fast alle Märchen haben zwar ein Happy End, aber das Böse kommt in jeder Geschichte zum Zug.

Einige Beispiele:
Aschenputtel: das arme Mädchen wird gequällt und ausgenutzt .... Happy End für sie ..... den Stiefschwestern werden beide Augen ausgepickt.

Der Froschkönig: die Prinzessin wirft mit voller Wucht den Frosch gegen eine Wand und versucht ihn zu töten; dafür erhält sie sogar noch eine Belohnung: Ihren Prinzen.

Dornröschen: Das Böse löst einen 100jährigen Schlaf aus ... Macht über alles und jeden!

Rotkäppchen: Das Böse frießt die Großmutter und das Rotkäppchen, durch eine List.
dasselbe geschieht bei den Sieben Geißlein!

.................... und und und .....


Unsere Kinder wachsen somit mit dem Glauben auf, das das Böse viel Macht hat.
Man kann das Böse nur besiegen ...... und zwar mit Liebe!
(So wie wir es die ganze Zeit hier auch schreiben!!!)

Sollen die Märchen Vorbote auf das zukünftige Leben unserer Kinder sein?
Sollen die Märchen unsere Kinder gleich aufklären, das es Gut & Böse gibt?
Sollen die Märchen unsere Kinder mit Liebe stärken, um das Böse zu überwinden oder damit zurecht zu kommen?

Was für eine Botschaft haben die Märchenerzähler uns geben wollen?
Sind diese Botschaften der Märchen ein verschlüsselter CODE, so wie es im Moment überall "Code" oder "Secret" heißt?

Was haltet Ihr davon?

Ich habe mit einigen Müttern geredet, die noch kleinere Kinder haben, diese lesen ihren Kindern keine Märchen mehr vor, weil sie es für nicht sinnvoll halten, ihre Kindis schon mit zwei Jahren an das Böse heranzuführen.
Meine Patenkinder kennen auch nicht viele Märchen, weil meine Schwägerin der gleichen Ansicht ist.
Ich akzeptiere das und schaue auch im Fernseh keine Märchen mit ihnen an, wenn sie bei mir zur Übernachtung sind.

Bitte denkt jetzt nicht, ich habe einen Knall, aber mich hat das Thema schon seit längerer Zeit beschäftigt.

Ich würde gerne eure Ansichten zu Märchen erfahren.

Danke Euch

Alles Liebe Kelly
__________________
Nicht traurig weil vorbei,
sondern glücklich weil gewesen.
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Alt 14.01.2010, 21:08
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Das Thema hab ich schon mal diskutiert,in sofern hast Du bestimmt keinen Knall.
Märchen sind alte Erzählungen,die in einer Zeit entstanden,in der Menschen noch abergläubisch waren,an Hexen und Zauber ernsthaft glaubten und naja es gab keinen Stephen King.Irgendwo hab ich mal gelesen,daß Märchenerzähler auf den Märkten vor Erwachsenen,nicht vor Kindern erzählten.
Aber auch ich habe Märchen meiner Tochter in neuerer Fassung erzählt,das heißt ich hab einiges abgeschwächt,auch mehr Witz anstelle der Grausamkeit reingebracht.
Haupttenor der Märchen und so ist es ja auch heute noch in Filmen Büchern,daß das nur wirklich Gute gegen das Böse siegen kann.Dieses Vertrauen darauf kann man einem KInd schon vermitteln.
Manches,was wir in die Märchen hineininterpretieren,sehen Kinder so nicht.So finden sie einen 100jährigen Schlaf nicht so schlimm,da sie ja auch schlafen,bei dem Reim ist die Faszination des Reims,den Rassistischen Hintergrund begreifen Kinder nicht, nur das am Ende plötzlich alle wieder da sind.Wir haben mehr die 10kleinen Krabbelfinger gespielt.
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Alt 14.01.2010, 21:35
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Ja, auch wenn manche Märchen grausam sind ist es wichtig dass Kinder eine möglichkeit haben sich mit ihren Ängsten auseinander zu setzen...Märchen sind dazu Ideal. Es gibt sogar Ansätze bei denen Kinder mit ernsten Problemen (missbrauch usw) mittels Märchengeschichten therapiert werden.

Empfehlen kann ich dir dazu das Buch: Märchenhafte Wirklichkeiten Hier n Link:
Märchenhafte Wirklichkeiten. Eine Märchenkunde mit vielen Gestaltungsvorschlägen Beltz praxis : Eine Märchenstunde mit vielen Gestaltungsvorschlägen: Amazon.de: Helga Zitzlsperger: Bücher

Ich denke es ist gut wenn du auch mit den Kindern darüber sprichst, das müssen keine tiefen Gespräche sein aber nur damit sie eventuelle Ängste auch ansprechen können. Persönlich halte ich Märchen für sehr wichtig bei der kindlichen Entwicklung weil so viel darin ist, auch unbewusst dass die Kinder nicht nur in ihrer Fantasie angeregt werden sondern auch bereits Interesse an Geschichten geweckt wird und sie eine Möglichkeit haben Probleme und Ängste die sie vielleicht selbst nicht verbalisieren können zu verarbeiten. Ich kann dir das Buch nur empfehlen, da steht ne Menge über Märchen drin aber wenn du noch konkrete Fragen hast Stell sie ruhig. Mich interessiert das Thema auch und wie gesagt ich bin ein Verfechter davon...

Edit: Im Fernsehn geht sehr viel veloren, da ist die Hexe ja schon da, sie können sie sich nicht vorstellen und ich glaube auch dass ein grosser Teil des Identifikationsprozesses so nicht stattfinden kann...was ist denn schöner als sich sein eigenes Hänsel und Gretel vorzustellen, das selbst erfunden Schokoladentraumhaus der Hexe und auch die Hexe selbst. Niemand mal so schön wie die Phantasie der Kinder!
__________________
Zitat:
"Would you tell me, please, which way I ought to go from here?" "That depends a good deal on where you want to get to" "I don't much care where" "Then it doesn't matter which way you go" "...so long as I get SOMEWHERE"
"
Oh, you're sure to do that", said the Cat,"if you only walk long enough."
-Alice in Wonderland

Geändert von SchinTeth (14.01.2010 um 21:38 Uhr)
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Alt 14.01.2010, 23:52
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vielen Dank für den Buchtip.
ich seh das wie Du,wobei man ja wohl nicht unbedingt das Märchen mit dem Verbrennen der Hexe enden lassen muß.
Insgesamt ist das freie Erzählen oder auch Vorlesen von Büchern etwas sehr Schönes,was Kinder insbesondere vor dem Schlafen sehr genießen.
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Alt 15.01.2010, 00:08
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Zitat:
Zitat von walli Beitrag anzeigen
vielen Dank für den Buchtip.
ich seh das wie Du,wobei man ja wohl nicht unbedingt das Märchen mit dem Verbrennen der Hexe enden lassen muß.
Insgesamt ist das freie Erzählen oder auch Vorlesen von Büchern etwas sehr Schönes,was Kinder insbesondere vor dem Schlafen sehr genießen.
Stimmt, aber so endet es ja auch nicht, Märchen enden soweit ich weiss immer "gut". Darum gehts ja, das Böse, Gefährliche kann überwunden werden und es geschieht ein Reifeprozess. Der Protagonist hat etwas gelernt und normalerweise auch der Leser, wenn er denn aufmerksam war und sich ein wenig mitreissen hat lassen.

Edit: Ich bin kein Psychologe aber auf dem Niveau der Psyschologin scheint bei Märchen sehr viel zu passieren und auch schon in der Geschichte drin zu stecken.
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Geändert von SchinTeth (15.01.2010 um 00:09 Uhr)
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Alt 15.01.2010, 00:42
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Manchmal frage ich mich ob ich das Märchen "Rumpelstielschen" richtig in Erinnerung habe.

Da ist doch eine Frau (Müllerstochter glaublich) die Stroh zu Gold verarbeiten soll. Sollte sie das nicht schaffen wird sie vom König mit dem Tod bedroht. Der König heiratet sie dann und schwängert sie.
(so meine Erinnerung)

Wenn das stimmt, ist doch dieses Märchen eine echte Zumutung.

Soll das bedeuten das die Heirat und Familiengründung mit einem König akzeptabel ist, der vorher die Frau mit dem Tod bedroht hat?
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  #7 (permalink)  
Alt 15.01.2010, 11:13
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stimmt,so waren die Könige nunmal.Aber eigentlich schuld ist der Vater der Müllerstochter,der überall prahlte,daß seine Tochter Stroh zu Gold machen könne.Vielleicht wollt der König nur erreichen,daß der seine Prahlerei angesichts dieser Drohung läßt.Dem war aber seine Tochter ziemlich schnuppe.Böse,böse-

Überhaupt schneiden Eltern in manchen Märchen nicht gut ab,bedenkt man nur mal,daß Hänsel und Gretel wie Hunde ausgesetzt wurden.
Die Väter von Aschenputtel und Schneewittchen kümmerts nicht die Bohne,daß die Töchtings von den Stiefmüttern drangsaliert werden.
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  #8 (permalink)  
Alt 15.01.2010, 16:31
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Zitat:
Zitat von walli Beitrag anzeigen
stimmt,so waren die Könige nunmal.Aber eigentlich schuld ist der Vater der Müllerstochter,der überall prahlte,daß seine Tochter Stroh zu Gold machen könne.Vielleicht wollt der König nur erreichen,daß der seine Prahlerei angesichts dieser Drohung läßt.Dem war aber seine Tochter ziemlich schnuppe.Böse,böse-

Überhaupt schneiden Eltern in manchen Märchen nicht gut ab,bedenkt man nur mal,daß Hänsel und Gretel wie Hunde ausgesetzt wurden.
Die Väter von Aschenputtel und Schneewittchen kümmerts nicht die Bohne,daß die Töchtings von den Stiefmüttern drangsaliert werden.
Das steht auch alles in dem Buch, oft sprechen Märchen das Thema der "Emanzipation" des Kindes an, sie lösen sich von den Eltern und suchen ihren eigenen Weg. Das ist wie gesagt alles recht komplex. Märchen und Märchen is auch nicht immer gleich, zum Beispiel haben die Brüder Grimm anfangs recht brutale und "reife" Märchenversionen in ihren Büchern beschrieben, danach haben sie kindgerechte Varianten verfasst. Man sollte sich schon informieren was man da hat bevor man es Kleinkindern vorliest und man sollte auch beachten wen man vor sich hat. Es gibt Kinder die fürchten sich sofort, andere sind da eher robuster. Prinzipiell kann ich mich aber nur wiederholen, sind Märchen für Kinder gut, auch dann wenn sie teilweise etwas bedrohlicher wirken.
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  #9 (permalink)  
Alt 15.01.2010, 22:19
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ich mag die Märchen von Hans C Andersen und ich liebe das Märchen vom häßlichen Entlein!
Das Mädchen mit den Schweffelhölzern ist auch ein sehr schönes Märchen,leider sehr traurig!
Die Märchen der Gebrüder Grimm mag ich nicht sonderlich,aber die Kinder lieben sie.
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Moral ein Maulkorb für den Willen,
Logik ein Steigriemen für den Geist

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  #10 (permalink)  
Alt 15.01.2010, 22:30
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Also, ich bin mit Märchen groß geworden. Für mich gab es nichts Schöneres, wenn meine Mama sich abends an mein Bettchen setzte und mir von Hans Christian Andersen und Gebrüdern Grimm (Hauptsächlich diese Autoren) vorlas. Ich habe da aber nie irgendwelche Ängste bekommen oder Alpträume...
Ich glaube, da wird zuviel hinein intepretiert. Manchmal sollte man sich nicht sooo viele Gedanken machen.
Ich habe schon jetzt gelernt, auf meinen Mutterinstinkt zu hören. Das war zwar das Thema Ernährung nach dem 4. Monat und ich war total verunsichert weil überall etwas Anderes stand. In einem tollen Elternforum, in dem ich schreibe, haben die Mamis mir dann geraten, einfach auf mein Gefühl zu hören. Und schwupp- alles paletti.

Max hat zu Weinachten den Struwelpeter und Max und Moriz bekommen... die sind brutal!!! Allerdings habe ich die gleichen Bücher gehabt und bin auch kein amoklaufender Psychofreak geworden.
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Genieße das Heute, denn es ist der erste Tag vom Rest deines Lebens!

***~~~......~~~***
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